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Mindset

Langsam geht’s uns besser

Es ist ein x-beliebiger Wochentag, in einer x-beliebigen Woche. Zwischen Home-Office, Home-Kindergardening und Homeschooling vermischen sich die Tage und Momente zu einem großen Erinnerungsklumpen.

Irgendwann zwischen Spülmaschine ausräumen, Spielzeug flicken und Kindertränen plöppt auf meinem Handy eine Nachricht auf:

„Hallo Sarah, wir haben neue Erinnerungen für dich. Möchtest du sie dir ansehen?“ Meine Foto-Cloud lädt mich ein, mir Fotos aus dem letzten Jahr anzusehen. Ich halte kurz inne, weil ich schon gern sehen möchte was die App da für mich bereit hält, lege das Handy dann jedoch zur Seite, weil eines der Kinder mich ruft.

Am Abend dann liege ich völlig erschöpft auf dem Sofa. Der Mann bringt die Kinder ins Bett, leise höre ich das Hörspiel durch den Korridor schallen. Und da fällt es mir wieder ein.

Ich nehme das Handy und schaue in die App, die mir am Vormittag noch eine Reise in die Vergangenheit angeboten hatte. Ich swipe zwischen Fotos von Regenbögen an Fenstern, geschminkten Kindern, Picnics im Wald und zahlreichen Aufnahmen von Spaziergängen und Fahrradtouren hin und her. Das Frühlingswetter war wirklich toll und was wir alles unternommen haben, denke ich.

Gedankenverloren stöbere ich weiter durch die Foto-Ordner. Es folgen Fotos vom Sommer. Unbeschwert essen wir Eis, planschen die Kinder im Planschbecken in Omas Garten oder verstecken sich im Maisfeld. Das Jahr 2020 war doch eigentlich ganz schön, denke ich.

Und dann bemerke ich, dass ich von den Monaten nach den Sommerferien ziemlich schnell im Hier und Jetzt ankomme. In den Ordnern der letzten Monate finde ich Selfies von der Kleinen, jede Menge. Und auch Fotos die so verwackelt sind, dass ich noch nicht einmal erraten kann in welchem Raum hier Zuhause sie von den Kindern aufgenommen wurden. Ansonsten plöppen hier und da noch Fotos von Halloween, Weihnachten und dem einen oder anderen Corona-Geburtstag, mit vielen Luftballons aber ohne Gäste auf. Ich wundere mich, dass ich in den letzten Monaten so wenig fotografiert habe.

Ich gehe noch einmal zurück zu den Fotos aus dem letzten Frühling und ich bemerke: es war nicht nur das Wetter, das vor einem Jahr besser war.

Slow Living – Entschleunigt durch die Pandemie

Ich weiß noch genau wie ich völlig verängstigt durch unser Wohnzimmerfenster auf die leeren Straßen starrte. Wir befanden uns in den ersten Zügen unseres ersten Lockdowns und irgendwie hatte ich das Gefühl dass sich jetzt gerade die Welt verändert und wir können ihr dabei zusehen.

Es war, als hätte jemand auf den Pauseknopf gedrückt und die Menschen wären in ihrem Zuhause einfach eingefroren.

Als sich meine Ängste langsam legten und ich meine Zuversicht wiederfand, beschloss ich die Zeit mit den Kindern zu genießen. Entschleunigen.

Das ging zu diesem Zeitpunkt wirklich leicht, denn beide Mädchen gingen noch in den Kindergarten und ich war Zuhause. Allmählich fingen wir an die Zeit zu genießen. Niemand der uns durch die Alltag hetzte, keine Termine, keine Verpflichtungen. Da waren nur wir, die Frühlingssonne und ganz viel Natur.

Wir telefonierten mit der Familie über Video, fuhren mit den Fahrrädern bei den Großeltern vorbei und winkten und unterhielten uns auf Abstand über den Gartenzaun. Mit der Nachbarsfamilie hatten wir die Einigung getroffen, dass die Kinder zusammen auf dem Hof spielen könnten und ich genoß die täglichen Kaffees mit der Nachbarin sehr. Wir hatten nichts, was uns stresste. Wir waren einfach.

Und mit dem Ende der Sommerferien wurden wir langsam aber sicher aus unserer kleinen Parallelwelt geholt. Die Einschulung nur mit Mama und Papa, Schulbesuche mit Mund-Nasen-Bedeckung – das alles holte uns zurück in die Pandemie-Realität.

Als sich dann schulisch so langsam alles einpendelte bot sich mir die Möglichkeit wieder als Schulsozialarbeiterin zu arbeiten. In den vergangenen Monaten hatte ich so viel mitbekommen. Schüler und Lehrer, die verzweifelt versuchten Unterricht zu machen. Stimmen über fehlende Digitalisierung wurden laut und immer wieder dachte ich mir: Ich will was tun. Ich will helfen.

Angetrieben von diesem Willen und dem Herzen voller Empathie, stürzte ich mich in die Arbeit. In unserer Brennpunkt-Schule gab es viel zu tun und es fühlte sich so gut an.

Dann kam der zweite Lockdown und der hatte es in sich. Das Schulkind tat sich schwer mit dem Homeschooling, sah sich dem Berg an Arbeitsblättern einfach nicht gewachsen, vermisste ihre Klasse und das bunte drum herum, das Schule gerade für die Kleinen zu bieten hat.

Und zwischen Home-Office, Homeschooling und Home-Everything hetzten wir durch den Alltag und ich fühlte mich immer zerrissener. Die Tage verklumpten zu einem Einheitsbrei und wir alle funktionierten nur noch. Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie verstand ich die Eltern, die im Frühling 2020 bereits ein S.O.S. versendet hatten. Der Leistungsdruck war einfach zu groß. Er ist einfach zu groß.

Hin zum guten, einfachen Leben

Ich habe mir in den letzten Wochen wirklich viele Gedanken gemacht, mir immer wieder die Fotos aus dem letzten Jahr angesehen und mich immer wieder gefragt: Was war anders?

Die Fotos sprechen von Leichtigkeit, Gelassenheit, Einfachheit und vor allem Präsenz. Ich war da, für die Kinder, für mich und ich konnte es genießen. Wir hatten Routinen, aber wir hatten auch ganz viel Leerlauf.

Und genau das ist es, was uns in den vergangenen Monaten gefehlt hat. Die Leichtigkeit wich dem Leistungsdruck in der Schule. Die Gelassenheit wurde vom Stress der vielen Hüte, die ich auf hatte, verdrängt. Das Jonglieren im Home-Everything machte die Einfachheit zunichte. Und präsent waren nur diese Gedanke immer wieder: „Ich muss noch… Ich hab noch nicht… Wir können doch nicht…. Jetzt muss aber mal…!

Unser Leben in den letzten 12 Monaten hat mir gezeigt: Langsam geht es uns besser. Stress und Druck bringen Schwerfälligkeit ins Haus und lässt kaum Raum für Achtsamkeit und echten Lebensgenuss.

Und aus diesem Grund haben wir einen Entschluss gefasst, der unser jetziges Leben komplett auf den Kopf stellen wird.

Wir wollen raus aus dem Alltagskarussell und rein in ein gutes, einfaches und in ein achtsames Leben.

Kommst du mit?


Wie erging es dir in dem vergangenen Pandemie-Jahr? Hast du Entschleunigung gespürt oder bist du, wie so viele andere, in einem Sumpf aus Anforderungen und Verantwortlichkeiten versunken? Schreib mir gern, ich freue mich auf Austausch

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